Zica
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zica
"Das grosse Erzbistum mit dem Namen Zica" – so hat der bekannte serbische mittelalterliche Verfasser Teodosije ueber die Stiftung des ersten serbischen Koenigs Stefan und seines Bruders Sava im gleichnamigen Dorf bei der heutigen Stadt Kraljevo geschrieben. Der Ausdruck "grosse" betrifft vor allem die Bedeutung und das Ansehen dieses Klosters, das im Umbruch Anfang des 13. Jahrhunderts entstand, als der serbische Staat zum Koenigreich wurde und die Serbische Kirche die Selbststaendigkeit als Erzbistum erlangte. Gerade Zica wurde ein Symbol dieses neuen politischen und kirchlichen Zustandes in Serbien. Es war der Kroenungsort der ersten serbischen Koenige und der Sitz der ersten serbischen Erzbischoefe. Dementsprechend wurde die Hauptkirche des Klosters mit einer hochrangigen Widmung – der Himmelfahrt Christi – das politische und geistige Zentrum Serbiens.

Errichtung
Stefan Nemanjic (herrschte 1196-1228), Nemanjas Sohn und Nachfolger auf dem Thron des Grossgespans, hat den Bau des Klosters Zica als seine Hauptstiftung gemeinsam mit seinem Bruder Sava, dem damaligen Abt von Studenica, um 1206 beginnen lassen. Die erste Bauphase wurde wahrscheinlich bis 1217 beendet, als Stefan, so nimmt man an, in der Hauptkirche der Himmelfahrt Christi zum Koenig Serbiens gekroent wurde. In der zweiten Phase, nachdem Zica zum Sitz des neugegruendeten serbischen Erzbistums bestimmt worden war, wurden bedeutende raeumliche Aenderunden und Verbreiterungen durchgefuehrt, sowie die Wandmalerei angefertigt. Alle diese Arbeiten dauerten an bis zur Mitte des vierten Jahrzehnts des 13. Jahrhunderts, also insgesamt fast dreissig Jahre.

Die Rechtslage des Klosters mit seinen grossen Grundbesitzen und Beguenstigungen wurde durch zwei Schenkungsurkunden von Koenig Stefan und seinem Sohn Radoslav in den Jahren 1219/20 und 1224 festgeschrieben. Die Kopie der beiden Urkunden aus dem 14. Jahrhundert befindet sich an den Seitenwaenden des Durchgangs unter dem Eingangsturm. Es wurde unter anderem verordnet, dass "in dieser Kirche unseres Retters alle zukuenftige Koenige dieses Staates gekroent werden sollen". Im Einklang mit ihrer grossen Bedeutung wurde die Hauptkirche in Zica mit den wertvollsten christlichen Reliquien, von denen Erzbischof Sava die meisten aus dem Osten mitgebracht hatte, versehen. Darunter waren, laut dem Text der Urkunde, die Teilchen des heiligen Kreuzes Christi, des Gurtes der Muttergottes, der Heiligengebeine einiger Apostel und Maertyrer, sowie die rechte Hand des St. Johannes des Taeufers. Eine solche Sammlung stellt, der Zahl und der Bedeutung der Reliquien nach, etwas Einzigartiges in der Tradition des serbischen Herrscherstiftungswesen dar.

Im Wandel der Zeiten
Zur Zeit der Krise der byzantinischen Welt, als Konstantinopel unter der lateinischen Herrschaft stand (ab 1204), hatte Serbien die Stuetze fuer seinen politischen Aufstieg im Westen gesucht. In kirchlicher Hinsicht blieb es aber dem orthodoxen Osten treu. So bekam Stefan Nemanjic die Koenigskrone vom Papst Honorius III. (1216-27) aus Rom, aber sein Bruder Sava wurde in Nicaea, dem vorlaeufigen Sitz des Patriarchen von Konstantinopel, zum serbischen Erzbischof ernannt (1219). Die beiden Ereignisse fanden ihre Bestaetigung durch die staatskirchlichen Zeremonien im Kloster Zica: die Kroenung im Jahre 1217 und die Verkuendigung der kirchlichen Selbststaendigkeit mit der Weihung neuer Bischoefe im Jahre 1220.

Von dieser Zeit an diente Zica als eine "Hauptstadt" Serbiens. Hier fand die grosse Staats- und Kirchenversammlung 1221 statt, bei der eine Art Programm der Serbischen Kirche verkuendet wurde. Hier wurde auch die feierliche Kroenung der beiden Soehne und Nachfolger Stefans, Radoslav (1228) und Vladislav (1234), ausgefuehrt. In der Zwischenzeit brachte Erzbischof Sava um 1230 die Heiligengebeine Stefans aus Studenica in die Kirche der Himmelfahrt Christi, die das Ansehen dieses Gotteshauses weiter hoben. Auf der Versammlung in Zica um 1234 gab Sava seine Entscheidung bekannt, das Erzbistum zu verlassen. Gleichzeitig weihte er seinen Nachfolger Arsenije zum Oberhaupt der Serbischen Kirche.

Die goldene Aera des Klosters Zica dauerte nach Savas Zeit nicht mehr lange an. Da es nicht wie die meisten anderen Kloester an einem verborgenen Ort, sondern an der Kreuzung wichtiger Strassen gelegen war, wurde es in der Vergangenheit oft Zerstoerungen und Pluenderungen ausgesetzt. Die erste grosse Verwuestung geschah am Ende des 13. Jahrhunderts beim Einfall von Truppen des bulgarischen Fuersten aus Vidin waehrend des Krieges gegen den serbischen Koenig Milutin. Die Kirche litt so stark, dass man den Erzbischofssitz nach Pec (Pecchia) in Metohija versetzen musste. Koenig Milutin (1282-1321) nahm die weitgehende Erneuerung des Klosters in Angriff und im zweiten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts war Zica beinahe vollstaendig wiederhergestellt. Nach der Schlacht am Kosovo Polje (Amselfeld) 1389, als die Osmanen den Sueden Serbiens bedrohten, wurde Zica noch einmal zum Kirchenzentrum. Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts sassen hier die serbischen Patriarchen.

Waehrend der osmanischen Herrschaft hat das Kloster ebenfalls gelitten. Nach der Eroberung Serbiens (Mitte des 15. Jahrhunderts) und der Abschaffung des Patriarchats ist Zica gepluendert worden. Die meisten Moenche sind nach Syrmien geflohen, wo sie das Kloster Sisatovac erbaut haben. Im Laufe der kommenden einhundert Jahre blieb das Kloster fast verwuestet. Manchmal lebten zwei bis drei Moenche dort, manchmal niemand. Und das war nur der Anfang einer Geschichte immer wiederkehrender Zerstoerungen, aber auch zahlreicher Erneuerungen (Mitte des 16., 17. und 18. Jahrhunderts), die ein Zeugnis von der grossen Aufmerksamkeit der wiederhergestellten Serbischen Kirche (1557) gegenueber dem ehemals wichtigsten Kloster Serbiens waren. Nach der Befreiung Serbiens von den Osmanen wurde eine grosse Restauration in den Jahren 1855-57 durchgefuehrt.

Im 20. Jahrhundert setzte sich das wechselnde Schicksal des Klosters Zica fort. Die Kirche wurde noch zweimal stark beschaedigt: Zunaechst im Jahre 1941 waehrend der Kaempfe zwischen den deutschen Truppen und den kommunistischen Aufstaendischen und danach 1987 durch ein Erdbeben. Die heutigen Formen des Klosters, das viel von seinem urspruenglichen Aussehen verlor, sind das Ergebnis der grossen Erneuerungsarbeiten, die von 1925 bis 1935, um 1955 und 1989-90 durchgefuehrt worden sind.

Architektur
Die Architektur der Kirche der Himmelfahrt Christi gehoert zur Bauschule von Raska, und im Unterschied zur Muttergotteskirche in Studenica war sie die erste serbische Kirche mit allen Eigenschaften dieser Baurichtung. Dazu gehoeren ein Einschiffbauwerk mit einer Halbkreisapside an der Ostseite und einer Vorhalle an der Westseite. Die geschlossenen Vestuebile an der Nord- und Suedseite sind in den rechteckigen Chorschraenken umgestaltet worden. Ueber dem Zentralschiff erhebt sich eine Kuppel mit achteckigem Tambour. Die ersten raeumlichen Aenderungen in der Kirche wurden wahrscheinlich anlaesslich der Kroenung des Koenigs Stefan Nemanjic durchgefuehrt. Es wurden vor allem die Seitenkapellen an der Vorhalle angebaut, die den Namensbruedern der Stifter, dem St. Stephan dem Erstmaertyrer (die suedliche) und dem St. Sabbas von Jerusalem (die noerdliche), gewidmet wurden. Danach wurde die Aussenvorhalle mit einem Stockwerk und dem Glockenturm zugefuegt, in Uebereinstimmung mit den Beduerfnissen des neugegruendeten Erzbistums. Gleichzeitig wurde der Altarraum in drei Teile geteilt und die ganze Kirche rot gefaerbt.

In Zica erschienen, wie gesagt, einige Eigenschaften der Bauschule von Raska zum ersten Mal. Genauer sind das die Chorschraenke am Schiff, die Seitenkapellen an der Vorhalle und der dreiteilige Altarraum. In dieser Hinsicht hat die Kirche der Himmelfahrt Christi einen grossen Einfluss auf die folgende Entwicklung der serbischen Baukunst ausgeuebt. Und das gilt nicht nur fuer die zukuenftigen Klosterkirchen, sondern auch fuer allen Bischofssitze des serbischen Erzbistums, die nach dem Muster aus Zica Aussenvorhallen mit Glockentuermen bekamen. Deshalb nannte man dieses Gotteshaus schon im Mittelalter "die Mutter aller Kirchen".

Die Erbauer von Zica stammten aus verschiedenen Richtungen. Die Aussenform haben der Kirche vorwiegend die Meister aus dem Kuestenland, also aus dem westlichen Kulturraum, gegeben. Die Fenster und die Portale wurden im Stil der Romanik angefertigt, waehrend der Glockenturm nach Vorbildern aus Kotor (Cattaro) erbaut worden ist. Aber es gab auch Einfluesse aus dem Osten, vor allem von dem Heiligen Berg Athos. Sie spiegeln sich in den Chorschraenken, in den Seitenkapellen an der Vorhalle und in der roten Farbe der Kirche (wie in Grosser Laura, Vatoped und noch einigen Kloestern von Athos) wider. Ausserdem wurden die Schlussarbeiten innerhalb der Kirche, wie der einst praechtige Boden und die innere Plastik, von den Meistern aus Konstantinopel angefertigt.

Der umfassende und komplexe Bauplan der Hauptkirche des Klosters wurde sowohl durch ihre vielseitigen liturgischen Bestimmungen, als auch durch ihre Rolle als Kirchen- und Staatszentrum hervorgerufen. Das betrifft besonders die Aussenvorhalle, wo die wichtigsten Hof- und Kirchenzeremonien stattfanden. Deshalb hatten die Baumeister schwierige Konstruktionsaufgaben, die sie erfolgreich geloest haben. Leider haben die haeufigen Zerstoerungen, aber auch die unpraezisen Erneuerungsarbeiten, besonders die um das Jahr 1955, das Aussehen der Kirche veraendert. So besteht heute zum Beispiel der Altarraum wieder aus einem Teil und der Glockenturm hat seine urspruengliche Aussenform verloren.

Innerhalb des Klosterkomplexes besteht noch eine kleine Kirche, die urspruenglich dem St. Theodor Tyronnes und dem St. Theodor Stratylates gewidmet wurde. Sie stammt auch aus dem 13. Jahrhundert und ist, neben der Hauptkirche des Klosters, das einzige gut erhaltene Bauwerk aus dem Mittelalter. Die Kirche mit einfacher Architektur und edlen Proportionen ist aus Backstein erbaut worden, waehrend der Teil aus Stein spaeter zugefuegt wurde, als sie im Jahre 1806 erneuert wurde: Dabei wurden ihre urspruenglichen Architektureigenschaften bewahrt. Im 19. Jahrhundert erhielt die Kirche ihre neuen Patrone: St. Peter und Paulus.

Das Kloster Zica wurde im 13. Jahrhundert als eine Erzbistumssiedlung erbaut und mit einer hohen Mauer eingefasst. Die Hauptkirche wurde von verschiedenen Gebaeuden umgekreist und zwar mit den wichtigsten Klosteranlagen, wie dem Speiseraum und den Moenchenschlafraeumen, aber dort war auch der Hof des Erzbischofs und wahrscheinlich ein Koenigshof. Heute ist von diesen Gebaeuden nichts erhalten geblieben und die heute zu sehenden Schlafraeume und der Speiseraum stammen aus neuerer Zeit.

Malerei
Die Wandmalerei in der Kirche der Himmelfahrt Christi ist stark beschaedigt und die Fresken sind leider nur teilweise erhalten geblieben. Trotzdem kann man innerhalb der Kirche drei

chronologischen Stileinheiten erkennen.
Die erste Einheit umfasst die Fresken, die nach der Erwerbung der Selbststaendigkeit fuer die Serbische Kirche entstanden sind und zwar in den Jahren 1220-21. Die Urheber dieser Malerei sind Meister aus Konstantinopel, die Erzbischof Sava bei seiner Heimkehr aus dem Osten mitgebracht hat. Das urspruengliche Freskenprogramm wurde gerade von Sava bestimmt, der die Kirchen aus Jerusalem zum Vorbild nahm. Er hatte naemlich den Wunsch, die Kirche in Zica als "serbischer Zion" vorzustellen. Deshalb nahmen die Abbildungen von Ereignissen aus Jerusalem, wie das letzte Abendmahl, der unglaeubige Thomas, das Anzeigen Christi nach Auferstehung und Pfingsten, den wichtigsten Platz in dem unter der Kuppel befindendlichen Raum ein. Aber diese Fresken kennen wir nur dank der Restauration aus dem 14. Jahrhundert. Die erstmalig angefertigte Malerei blieb bis heute nur noch in den Chorschraenken erhalten. Dies sind die Kompositionen der Kreuzigung Christi (suedliche Seite) und der Kreuzabnahme (noerdliche Seite). Ausserdem kann man dort noch einige Gesichter der Apostel, sowie die Brustbilder der Erzengeln oberhalb der Seitenkapellen sehen. Mit ihren Eigenschaften bilden diese Fresken den monumentalen Stil des 13. Jahrhunderts ab, der in Serbien zum ersten Mal in Studenica erschien.

Der zweiten Einheit gehoeren die Fresken an, die sich im ersten Stock des Glockenturmes befinden. Sie wurden um das Jahr 1230 angefertigt und als das Werk der schwaecheren Kuenstler gehoeren sie zum spaetkomninischen Stil des 12. Jahrhunderts. Man vermutet, dass dies die persoenlichen Raeume von Erzbischof Sava waren, weil sich da unter anderen Abbildungen auch jene seiner Vorbilder St. Sabbas von Jerusalem und St. Theodor von Studion befinden.

Die wichtigste Einheit umfasst die juengsten Fresken, die zwischen 1309 und 1316 entstanden sind, zur Zeit des Erzbischofs Sava III und des Koenigs Milutin (1282-1321), welche nach den Verwuestungen Ende des 13. Jahrhunderts grosse Erneuerungen vorgenommen haben. Davon sind im Schiff die drei thematische Kompositionsgruppen erhalten geblieben. Unter der Kuppel sind die schon erwaehnten Darstellungen aus dem Leben Christi auf Erden, die eine treue Kopie der Fresken aus dem 13. Jahrhundert darstellen. Weiter sind die Grossen Feiertage bewahrt, darunter am besten die Himmelfahrt der Muttergottes an der westlichen Wand. In den unteren Zonen befinden sich die stehenden Figuren, sowie die Brustbilder der heiligen Bischoefe. Von diesen Malereien sollte man noch die Darstellungen der Heiligen Vaeter der Kirche beim Gottesdienst im Altar, die sogenannte Leidenschaftliche Muttergottes am suedlichen Pilaster und die Szenen aus dem Leben des St. Stephan in der Suedkapelle erwaehnen, waehrend die Fresken in der Nordkapelle zum groessten Teil 1941 zerstoert worden sind.

Die wertvollste Malerei befindet sich an den Waenden des Durchgangs unter dem Glockenturm. Sie entstand auch in den Jahren von 1309 bis 1316, wurde aber von anderen Meistern angefertigt, vielleicht sogar von Michael und Eutich, den besten Malern des Koenigs Milutin, die auch die bekannte Koenigliche Kirche in Studenica gemalt haben. Diese Malerei umfasst die sehr wichtigen Abbildungen der Weihnachtshymne, der vierzig Maertyrer aus Sebaste, des St. Petrus und Paulus, sowie die Stifterkomposition mit der Portraits von Koenig Stefan Nemanjic und seinem Sohn und Nachfolger Radoslav. Hier befindet sich auch der Text der beiden Klosterschenkungsurkunden aus den Jahren 1219/20 1224, der im 19. Jahrhundert noch einmal kopiert wurde. Besonders interessant ist die Komposition der Weihnachtshymne, bei der der Koenig Milutin mit dem Erzbischof Sava III und den anderen damaligen wichtigen geistlichen und weltlichen Pesoenlichkeiten Serbiens abgebildet wurde. Hier kann man die Elemente der kaiserlichen Kostueme, sowie des Hofzeremoniells aus Konstantinopel erkennen, was ein beredtes Zeugnis von der Herrscherideologie aus der Zeit des Koenigs Milutin ist.

In der heutigen Kirche des St. Petrus und Paulus sind Reste der Fresken aus der zweiten Haelfte des 14. Jahrhunderts erhalten geblieben. Im Tympanon oberhalb des Portals befinden sich die Abbildungen von St. Theodor Tyronnes und St. Theodor Stratylates, den urspruenglichen Patronen des Tempels.

Geschichte und Gegenwart
Das einst wichtigste und reichste Kloster Serbiens hat in seiner stuermischen Vergangenheit vieles von seiner ehemaligen Pracht und seinem Reichtum verloren. Sowohl das Aeussere als auch das Innere der Kirche der Himmelfahrt Christi haben im Laufe der Zeit viele Aenderungen erfahren und von der Klosterschatzkammer ist fast nichts uebrig geblieben. Einige Reliquien sind bewahrt, aber sie befinden sich nicht mehr in Zica. So gelangte die mit Silber beschlagene rechte Hand des St. Johannes des Taeufers in die Kathedrale der St. Maria in Siena, waehrend von den meisten anderen Reliquien heute jede Spur fehlt.

Trotzdem hat Zica sein grosses Ansehen bewahrt, indem man aus ihm sogar eine Art Kultus mit vielen Elementen von Mythos und Legende gemacht hat. So wird das Kloster auf eine besondere Weise personifiziert und mit den Namen "maertyrerisches Zica" oder das "Heilige Zica" benannt. Aufgrund der Tatsache, dass die Kirche sieben Tueren hat, ist auch das Beiwort "siebentueriges Zica" entstanden, das mit der Legende zusammenhaengt, die besagt, in Zica wurden sieben serbische Koenige gekroent. Gerade diese Rolle des Klosters als Kroenungsortes blieb im Gedanken der Serben von groesster Bedeutung. Ein gutes Beispiel dafuer stellte die feierliche Einweihung des Koenigs Petar I Karadjordjevic in Zica im Jahre 1904 dar. Damit wollte er als Mitglied der wieder zur Macht kommenden Dynastie seine Legitimitaet als Herrscher festigen und die Kontinuitaet mit der "ruhmvollen Vergangenheit" betonen. Einen besseren Ort zu diesem Zweck konnte er nicht auswaehlen.

Heute ist Zica ein weibliches Kloster und noch immer Sitz des uralten gleichnamigen Bistums. Aber es hat nicht nur die streng kirchliche Bestimmung. Jedes Jahr, am Fest der Verklaerung Christi (in Serbien ist das 19.8.), findet dort eine grosse Veranstaltung statt, bei der der zum besten Kuenstler des Jahres gekuehrte eine "Goldstempelurkunde von Zica" fuer sein Werk erhaelt. Wegen seiner Lage an der Hauptverkehrslinie ist das Kloster leicht zugaenglich und immer voll von Touristen und anderen Besuchern. Damit stellt es wirklich einen Ort dar, an dem Geschichte und Gegenwart zusammentreffen.

Artikel: Zarko Vujosevic, Belgrad

Fotografien: Milan Kosanovic, Bonn

Lektorat: Britta Lenz, Duesseldorf




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