Studenica
 
 

Mutergotteskirche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

Joachim und Anna Kirche


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Studenica
Das wahrscheinlich bekannteste und beruehmteste Kloster in Serbien befindet sich etwa 60 km suedlich von der Stadt Kraljevo, oberhalb des klaren und kalten Fluesschens mit demselben Namen - Studenica (serbisch: der kalte Fluss). Die Stiftung von Stefan Nemanja, dem Stammvater der Nemanjiden-Dynastie, ist ein Denkmal mit Bedeutung weit ueber die lokale Ebene hinaus. Es steht fuer den Eintritt Serbiens in die Familie der europaeischen christlichen Staaten. Mehr noch, es stellt eine kuenstlerische Zusammenfassung der geschichtlichen Probleme dar, die nicht nur fuer die Epoche Stefan Nemanjas (herrschte 1166-1196) kennzeichnend waren, sondern auch fuer die ganze Geschichte Serbiens bis in die Gegenwart hinein. Dabei handelt es sich um die vielfaeltige Begegnung oder den Zusammenstoss der oestlichen (byzantinischen) und westlichen Kultur und Zivilisation in diesem Raum.

Errichtung
An dem Ort, an dem heute das Kloster steht, stand vermutlich zu antiken Zeiten eine militaerische Festung oder ein Lager. Spaeter wandelte sich diese Gegend zu einem Jagdbezirk fuer wilde Tiere. Sava Nemanjic, Nemanjas Sohn und der spaetere Abt von Studenica, schrieb ueber die Erbauung des Klosters in der Biographie seines Vaters: "Als unser Herr... Stefan Nemanja... zur Jagd kam und hier jagte, kam ihm der Einfall, auf diesem einsamen Platz dieses Kloster zu errichten...".

So begann der Herrscher der unmittelbar zuvor vereinigten Raska und Zeta, im neunten Jahrzehnt des 12. Jahrhunderts, eines der glaenzendsten Gebaeude des serbischen Mittelalters zu erbauen - die Muttergotteskirche in Studenica. Die Goldstempelurkunde ueber die Errichtung des Gotteshauses ist heute leider verloren, sowie ihr Text, der an die Kirchenwand geschrieben wurde. Es ist aber voellig klar, dass diese Kirche die groesste dynastische und staatliche Bedeutung haben sollte, weil sie Nemanja zu seiner eigenen Grabstaette bestimmte.

Das Kloster Studenica wurde durch eine Mauer mit dreieckigen und runden Tuermen eingefasst, fuer die als Vorbild spaetantike Festungen dienten. Im Mittelalter war es ueblich, die Kloester auf diese Weise zu schuetzen. Das Aussehen des Komplexes von Studenica, mit der Kirchenkuppel als Zentrum und zwoelf Tuermen an der Mauer, hatte aber auch eine symbolische Bedeutung. Es sollte eine "himmlische Stadt" darstellen, beziehungsweise das "himmlische Jerusalem" mit der grossen, hohen Mauer, die auf den zwoelf Aposteln Christi als Grundsteine ruht (Off. Joh. 21,14). Mit dieser im Mittelalter sehr gebraeuchlichen Vorstellung der sogenannten translatio Hierosolymi sollte auch fuer den jungen serbischen Staat und ihre Dynastie ein Platz in der "gesegneten Geschichte" sichergestellt werden.

Im Wandel der Zeiten
Nachdem Stefan Nemanja im Jahre 1196 den Thron verliess, blieb er als Moench Simeon eine kurze Zeit in Studenica, siedelte dann aber in das zukuenftige serbische Kloster Hilandar auf dem Heiligen Berg Athos ueber und ueberliess die Fuersorge um die Fertigstellung des Klosters den Soehnen Stefan, seinem Erben als Grossgespan, und Vukan, dem Grossfuersten von Zeta. Als er in Hilandar 1199 starb, wurde er zum Heiligen erklaert. In Serbien begann der Krieg um die Herrschaft zwischen Stefan und Vukan. Nemanjas juengster Sohn Sava, der schon frueher auf dem Athos ein Moench geworden ist nahm dies zum Anlass, die Heiligengebeine seines Vaters um 1206/07 nach Studenica bringen zu lassen. Er wollte auf diesem Wege die Brueder miteinander versoehnen. Die Uebertragung der Heiligengebeine sollte auch eine Parallele zur biblischen Uebertragung der sterblichen Ueberreste von Urvater Jakob aus Aegypten nach Palaestina (Hanan) darstellen. So fand der serbische "Urvater" Stefan Nemanja seine letzte Ruhe im serbischen "heiligen Land".

Sava beendete gemeinsam mit seinen versoehnten Bruedern die vaeterliche Stiftung und liess die Kirchenwaende mit Fresken ausschmuecken. Er leitete das Kloster im hohen Rang des Archimandrits und verfasste die Regeln fuer das Leben der Moenche (Tipik), wobei er die Einleitung der Regeln eines Klosters aus Konstantinopel als Vorbild uebernahm. Durch das ganze Mittelalter hinweg genossen Studenica und seine Aebte ein hohes Ansehen in der serbischen Kirche. In den ersten Jahrzehnten der Herrschaft der Nemanjiden diente es als Mausoleum der Dynastie. Nemanjas Frau Ana (Nonne Anastasija), sein Sohn Stefan (herrschte bis 1228, Koenig ab 1217), Stefans Sohn Koenig Radoslav (1228-34) und vielleicht noch einige andere Mitglieder der Familie sind in Studenica begraben. Die Nachkommen Nemanjas setzten die Tradition ihrer Vaeter fort und kuemmerten sich um Studenica. So liess der erwaehnte Koenig Radoslav um 1234/35 den monumentalen Aussenvorhalle vor der Muttergotteskirche bauen und Koenig Milutin (1282-1321) erbaute um 1313/14 die Kirche von St. Joakim und Anna, das zweitbedeutendste Denkmal des Klosterkomplexes. Auch den spaeteren Nemanjiden diente die Muttergotteskirche als Vorbild beim Bau ihrer Stiftungen Banjska (Milutin), Decani (Stefan Decanski, herrschte 1321-31) und Heiliger Erzengel bei Prizren (Dusan, herrschte 1331-55).

Mit dem Vordringen der Osmanen im 15. Jahrhundert widerfuhr Studenica das selbe Schicksal wie fast allen anderen serbischen Kloestern, die der Ungnade der islamischen Macht ausgesetzt waren. Es wurde stark beschaedigt, aber nach der ersten gewaltigen Welle erholte es sich wieder. Um 1568/69 wurde sogar eine grosse Restauration der Fresken in der Muttergotteskirche vorgenommen, dank der relativ guenstigen Umstaende in den Jahren nach der Erneuerung des serbischen Patriarchats von Pec/Pecchia (1557). Nach den neuen Schwierigkeiten Anfang des 17. Jahrhunderts (ein grosses Erdbeben, sowie ein Brand) entwickelte sich Studenica unter anderem durch Geschenke aus Russland und der Walachei wieder zu einem der groessten serbischen Kloester. Es genoss auch gewisse Verguenstigungen von der osmanischen Verwaltung, da es als Sultanserbe fuer die Zucht von Jagdfalken von der Steuer befreit war. So zeugen verschiedene Quellen davon, dass Studenica Ende des 17. Jahrhunderts sogar 13 Kirchen mit Gottesdienst und eine zahlreiche Bruderschaft hatte. Im Kloster gab es auch eine Schreibwerkstatt.

Studenica hat in Folge von Kriegen oft stark gelitten. Waehrend des "Wiener Krieges" zwischen dem Osmanischen Reich und Oesterreich (1683-99) wurde es mehrmals von den Osmanen gepluendert und in Kaempfen zwischen Serben, angefuehrt durch den deutschen Hauptmann Banstein, und der osmanischen Armee beschaedigt. Nach der Wiedererneuerung im Jahre 1758 kamen neue Zerstoerungen im Krieg Ende des 18. Jahrhunderts hinzu. Da die Moenche gemeinsam mit der Bevoelkerung auf der Seite der Deutschen (das heisst der Christen) waren, mussten sie zeitweilig nach Norden fliehen und dabei die Heiligengebeine von Koenig Stefan mit sich tragen. Danach lebte das Kloster noch einmal auf, Beschaedigungen wurden ausgebessert und es erhielt sogar eine Volksschule und eine Bibliothek. Aber schon waehrend des Ersten serbischen Aufstandes gegen die Osmanen (1804-13) musste Studenica wiederum mehrfach leiden. Die Bruderschaft verliess das Kloster, wieder mit Stefans Heiligengebeinen, und es blieb fuer eine laengere Zeit fast verwuestet. Endlich unternahm man im Jahre 1839 im inzwischen befreiten Serbien eine umfassende Erneuerung. Damit wurde fuer Studenica eine ruhige Zeit bis in die heutigen Tage eingeleitet. Durch die Konservations- und Rekonstruktionsarbeiten an der Wandmalerei der Muttergotteskirche (1951) und an der Architektur der zwei bedeutendsten Kirchen (1973-75) erhielt das Kloster Studenica sein heutiges Aussehen.

Architektur
Den zentralen Platz in dem architektonischen Komplex des Klosters Studenica nimmt die Muttergotteskirche ein. Sie wurde in den letzten beiden Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts (ab 1183) erbaut, waehrend der Aussenvorhalle nachtraeglich zugefuegt wurde. Die Aussensicht der Kirche wurde mit Ausnahme der Kuppel im Geiste der damals im Westen herrschenden Romanik erbaut. Auf der anderen Seite sind die architektonischen Formen des Gebaeudes byzantinisch. Diese Zusammensetzung der beiden Architekturrichtungen fuehrte zum Entstehen eines neuen Stils, der unter dem Namen Raska-Schule bekannt geworden ist. Die Muttergotteskirche in Studenica wird als eine der besten Vertreterinnen dieser Baurichtung betrachtet.

Ihrer Form nach ist die Muttergotteskirche eine Einschiffbasilika mit Kuppel, an der westlichen Seite mit einer Vorhalle und an der oestlichen Seite mit der dreigliedrigen Altarapside verlaengert. An der noerdlichen und suedlichen Seite befinden sich die Vestibuele. Es ist gewiss, dass die Meister aus dem Westen kamen, vielleicht sogar aus der Stadt Kotor (Cattaro), die kurz davor an Serbien angegliedert wurde. Der romanische Stil spiegelt sich vor allem in der Struktur der Kirchenwaende aus Weissmarmorbloecken, die von dem umliegenden Berg Radocelo stammen, und in der skulpturalen Dekoration der Fassaden wider. Die Kuppel aber, die im Jahre 1975 rekonstruiert wurde und ihr urspruengliches Aussehen zurueckerhielt, wurde von einem anderen Meister auf byzantinische Weise angefertigt. Sie hat ein Kugelgewoelbe mit zwoelf Segmenten und einem Wellenkranz und ist rot gefaerbt, offensichtlich unter dem Einfluss der Architektur vom Heiligen Berg Athos. Die geraeumige Aussenvorhalle von Koenig Radoslav wurde mit Sicherheit von Meistern aus Kotor gebaut. Sie hat zwei Seitenkapellen und ein Kreuzgewoelbe, gleich wie die Domkirche in Kotor.

Die Plastiken von Studenica, die im letzten Jahrzehnt des 12. Jahrhunderts bearbeitet wurden, stellen die hervorragendste Leistung aus diesem Kunstbereich in Serbien dar. Sie sind an den Kirchenportalen, Fenstern und Konsolen unterhalb des Daches erhalten geblieben. Waehrend das noerdliche und das innere westliche Portal bescheiden angefertigt sind, ist das aeussere westliche Portal, das zwischen der aeusseren und der inneren Vorhalle liegt, ein Hoehepunkt der Plastiken von Studenica, sowohl dem Reichtum der Formen, als auch dem aesthetischen Wert der Skulpturen nach. Als Hauptdarstellung des Portals erscheint die Muttergottes mit dem Christuskind auf dem Thron, die von Erzengeln umgeben wird. Diese Komposition wird mit dem gewoelbten, reichlich verzierten Fries der Archivolte mit Szenen des Kampfes seltsamer und phantasievoller Wesen umrahmt. Unterhalb des Tympanons auf der unteren Seite der Tuerfassung befinden sich die Reliefdarstellungen von Christus und den 12 Aposteln. Plastische Dekoration befindet sich weiterhin am Suedportal, das allerdings bedeutend staerker beschaedigt ist als das westliche und an den Fenstern. Von den Fernstern ist das Triforium am Altarteil am reichsten dekoriert worden. Der Tympanon und die Fensterrahmen sind mit Weinranken geschmueckt, in welche Figuren von Tieren und Voegeln (darunter das Lamm mit dem Kreuz), die einen symbolischen Charakter haben, eingeflochten sind. Auch die einstmaligen Fenster, in dem sich unter der Kuppel befindlichen Raum, waren kunstvoll bearbeitet, wie das bis heute einzig aufbewahrte Fenster an der Nordwand zeigt. Die Plastik von Studenica war einmal gefaerbt, verlor aber im Laufe der Zeit die Farbe. Spuren der Faerbung und sogar der Vergoldung sind jedoch am westlichen Portal ersichtlich. Die erstklassigen Schoepfer der Skulpturen von Studenica stammen wahrscheinlich aus Apulien, von wo sie ueber Dubrovnik und Kotor auf Nemanjas Einladung nach Serbien kamen.

Innerhalb des Klosterkomplexes befinden sich noch einige weitere Objekte, darunter zwei kleine Kirchen. Die Kirche von Sankt Nikolaus ist ein Einschiffbau aus Stein und Tuffstein mit einer halbrunden Apside. Sie entstand wahrscheinlich waehrend des Aufbaus der Muttergotteskirche und spaetestens gleichzeitig mit der Aussenvorhalle von Radoslav. Bis vor kurzem hinterliess diese Kirche den Eindruck einer Kapelle, aber als sie 1968 von der Erdablagerung befreit wurde, gewann sie ihre frueheren Proportionen zurueck. Heute dient sie als eine Taufstaette. Die Kirche von Sankt Joakim und Anna, nach ihrem Stifter Koenig Milutin auch die Koenigliche Kirche genannt, wurde um 1313/14 im Stil des sogenannten Klassizismus der Palaeologen gebaut. Sie hat die Form eines zusammengefassten Kreuzes mit einer Kuppel, die von Aussen achteckig und von Innen rund ist. Bei den Konservationsarbeiten von 1973-74 wurde, vor allem mithilfe der Darstellung auf der Stifterkomposition in der Kirche, der Kuppel ihr urspruengliches Aussehen zurueckgegeben. Nach den Vorstellungen der fruehbyzantinischen Architektur hat diese Kirche eine ideale Form, da sie das Bild des Kosmos darstellt. Zwischen der Kirche von Sankt Nikolaus und der Koeniglichen Kirche befinden sich Fundamente einer kleinen Einschiffskirche, die dem Sankt Johannes dem Taeufer gewidmet wurde.

Von den nichtkirchlichen Objekten ist vor allem der Speiseraum erwaehnenswert. Er wurde zur Zeit des Archimandrits Sava Nemanjic (1206/07-17) aus gebrochenen Steinen erbaut. Urspruenglich hatte er ein Stockwerk, das man spaeter abtrug. Durch die neuesten Arbeiten wurden die Tische wie einst in weissem Marmor rekonstruiert. Die jetzt bestehenden Schlafraeume fuer die Moenche stammen aus dem 18. und dem 19. Jahrhundert, waehrend die Ueberreste der alten Schlafraeume aus dem 13.-14. Jahrhundert am Osteingang des Klosters entdeckt worden sind. Die modernen Unterkuenfte fuer die Besucher befinden sich ausserhalb der Klostermauer. In den Raeumlichkeiten noerdlich vom Speiseraum befindet sich das Klostermuseum und die Schatzkammer, in der unter anderem die Fragmente der Malerei, die man bei den Konservationsarbeiten gefunden hat, außerdem einige Ikonen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, verschiedene kirchliche Gegenstaende und aehnliches aufbewahrt werden. Hier existiert auch eine Bibliothek mit Buechern hauptsaechlich aus dem 18. und 19. Jahrhundert. In der stuermischen Geschichte des Klosters sind die aelteren Gegenstaende und Buecher leider zerstoert oder gepluendert worden.

Malerei
Die Wandmalerei der Muttergotteskirche legte den Grundstein fuer den monumentalen Stil des 13. Jahrhunderts in Serbien, dessen Kennzeichen die Einfachheit, Ruhe und Monumentalitaet der Figuren sind. Er wechselte den im 12. Jahrhundert herrschenden komninischen Stil ab. Nach der Aufschrift im Ring des Tambours, liessen die Soehne von Stefan Nemanja im Jahre 1208/09 die Kirche mit Fresken versehen. Der griechische Maler, den der Archimandrit Sava angestellt hatte und der vielleicht sogar aus Konstantinopel kam, war sicherlich einer der Besten seiner Zeit.

Die aelteste Malerei der Muttergotteskirche wurde im Altarraum, in dem unter der Kuppel befindlichen Bereich, an der Westwand und in den unteren Zonen des Schiffes erhalten. Die Fresken sind auf dem kostbaren dunkelblauen und im Altarraum teilweise auch vergoldeten Hintergrund angefertigt. Man sollte auch bemerken, dass die Aufschriften um die Heiligen serbisch und nicht griechisch geschrieben sind, was als ein erstes Zeichen der zukuenftigen Selbststaendigkeit der Serbischen Kirche gesehen werden kann. Im Altarteil befinden sich die ueblichen Szenen: Maria mit den sich verneigenden Engeln in der Mitte, darunter die Komposition, in der Christus den Aposteln die Kommunion spendet, und in der unteren Zone die Verbeugung vor dem Christus-Opfer. Auf den Pendentifs unterhalb der Kuppel wurden die vier Evangelisten und auf der Altarwand die Kompositionen Maria Verkuendigung und Marialichtmess gemalt. Die stehenden Figuren der Moenche und Maertyrer sind in der niedrigsten Zone des Schiffes abgebildet. Die bedeutendsten Heiligen fuer die Nemanjiden befinden sich auf den Pilastern: St. Nikolaus, St. Stefan, St. Johannes der Taeufer, St. Sabbas von Jerusalem (Vorbild fuer Sava Nemanjic) und St. Joasaph (Vorbild fuer Nemanja als Moench). Auf dem Pilaster der suedlichen Wand ist auch das beruehmte Fresko der sogenannten Muttergottes von Studenica. Das bekannteste Fresko der aeltesten Malerei nimmt den mittleren Teil der westlichen Wand ein - die Komposition der Kreuzigung Christi. Diese Abbildung reiht man in die groessten Werken der europaeischen Kunst des 13. Jahrhunderts ein.

Im Jahre 1568/69 wurde eine umfangreichere Restaurierung der alten Malerei vorgenommen. In diese Periode fallen die Fresken in der Kuppel, die grossen Feiertage und einige Figuren im Schiff, sowie eine groessere Anzahl von Kompositionen in den Vestibuelen, die meist alttestamentarischen Inhalt haben. Das bedeutendste Fresko aus dieser Zeit ist die Himmelfahrt der Muttergottes, die hier ausnahmsweise auf die noerdliche Wand gemalt wurde. Es stellt das beste restauratorische Unternehmen dar, weil das Muster aus dem 13. Jahrhundert im Ganzen wiederhergestellt wurde. Das andere sehr wichtige erneuerte Fresko befindet sich auf der suedlichen Wand - die sogenannte Stifterkomposition. Die Muttergottes fuehrt Christus den Stifter Simeon Nemanja mit dem Kirchenmodell in den Haenden vor. Hinter ihm befinden sich seine Soehne Sava und Vukan (die Abbildung ist heute unsichtbar). Die ganze Malerei in der inneren Vorhalle stammt aus dem 16. Jahrhundert. Sie umfasst den Zyklus des juengsten Gerichtes und noch einigen Figuren und Kompositionen, von denen die wichtigste Darstellung die der Nonne Anastasija ist. Man vermutet, dass dies Ana, die Frau Nemanjas sei, die gleichzeitig mit ihm in Studenica in den Orden ueberging und den Namen Anastasija erhielt. Der oder die Meister, die diese neueren Fresken anfertigten, zeigten ihre sowohl schoepferischen, als auch restauratorische Qualitaeten. Nach den stilistischen Eigenschaften koennte man diese Arbeit dem Moench Longin, einer der besten serbischen Kuenstler des 16. Jahrhunderts, zuschreiben.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde im Schiff ueber die alte Malerei eine neue Schicht gezogen, wobei die alten Fresken aus technischen Gruenden mit einem dichten Netz von mechanischen Beschaedigungen bedeckt worden sind. Aber die neu angefertigte Malerei wurde auf Grund der schwachen kuenstlerischen Werte im Jahr 1951 entfernt. Was aus dieser Zeit geblieben ist, ist nur die Trennwand zwischen Altar und Schiff mit den Ikonen.

Von der Malerei in der Aussenvorhalle, die aus dem vierten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts stammt, sind die Fresken nur in Fragmenten, vor allem in den Fenstern, erhalten geblieben. Aber in beiden Kapellen, die dem St. Nikolaus (die noerdliche) und dem St. Simeon Nemanja (die suedliche) gewidmet sind, befinden sich noch heute sichtbare Abbildungen, darunter die sehr wichtigen historischen Kompositionen in der suedlichen Kapelle. In der unteren Zone ist Nemanja als Moench gemalt, dem sein Sohn Stefan, ebenfalls als Moench, seinen Sohn Radoslav, den Stifter der Aussenvorhalle, vorfuehrt. In dieser Stifterkomposition stellt Nemanja den Christus selbst dar, waehrend Stefan die Vermittlerrolle der Muttergottes spielt. Hier befinden sich noch die Abbildungen der ersten drei serbischen Kirchenoberhaeupter und Szenen aus dem Leben des St. Simeons, von denen die wichtigste die Komposition der Ueberfuehrung seiner Heiligengebeine aus Hilandar nach Studenica darstellt. Die Malerei der Aussenvorhalle ist das Werk byzantinisch orientierter Meister, die schwaecher als die Meister aus 1208/09 waren. Sie lehnten sich an Errungenschaften der Kunst des 12. Jahrhunderts an.

In der Kirche des Sankt Nikolaus blieb die Malerei bis heute nur fragmentarisch erhalten. Von den Ueberresten sollte man den Zyklus der grossen Feiertage auf dem westlichen Wand, sowie das Bild von Johannes dem Taeufer auf dem Pilaster der noerdlichen Wand erwaehnen. Aus welcher Zeit diese Malerei stammt, ist nicht ganz eindeutig. Einigen ihrer Charakteristiken nach koennte man ihr Entstehen in das vierte Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts einreihen.

Die beste Malerei im ganzen Klosterkomlex befindet sich in der Koeniglichen Kirche. Sie entstand im zweiten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts als Spitzwerk der beiden griechischen Meister Michael und Eutich, die die meisten Stiftungen Koenigs Milutins gemalt haben. Zum Glueck sind die Fresken in grossem Masse erhalten geblieben und sie bedecken alle Waende vom Fussboden bis zur Kuppel. Neben den ueblichen Kompositionen im Altarraum, in und unter der Kuppel, erregen die Fresken in der mittleren und in der unteren Zone des Schiffes besondere Aufmerksamkeit. An der suedlichen Wand der unteren Zone befindet sich die Stifterkomposition mit Joakim und Anna (denen das Gotteshaus gewidmet ist), die Koenig Milutin, der das Kirchenmodell in den Haenden haelt, und seine Frau Simonida Christus vorfuehren. Daneben stehen ihre Vorbilder - Kaiser Konstantin der Grosse und Kaiserin Jelena. An der noerdlichen Wand sind die serbischen Heiligen abgebildet - St. Simeon und St. Sava. Die Fresken in der mittleren Zone schildern das Leben der Muttergottes und die schoensten von ihnen sind die sehr lebensbeschreibende Komposition der Geburt der Muttergottes und ihr gegenueberstehend die Mariae Darstellung im Tempel. Die ausserordentliche Malerei der koeniglichen Kirche stellt eine der hoechsten kuenstlerischen Leistungen der sogenannten Palaeologen-Renaisance in der gesamten byzantinischen kulturellen Sphaere dar. Deshalb wurde diese der Groesse nach bescheidene Kirche unter die kostbarsten serbischen Denkmaeler ueberhaupt eingeordnet.

Es gab auch Malerei ausserhalb der Kirchen und zwar im Speiseraum, wo heute nur Fragmente in den Fenstern erhalten geblieben sind, und am Glockenturm beim westlichen Eingang in das Kloster. Diese Fresken, die auch nur teilweise erhalten sind, stellten hoechstwahrscheinlich die ganze Herrscherfamilie Serbiens (Stefan Nemanja mit seinen Soehnen) dar. Da sie zur gleichen Zeit wie die erste Malerei der Muttergotteskirche angefertigt wurden (1208/09), sind dies die aeltesten serbischen historischen Portraits. Sie weisen auch auf die noch lebendige alte roemische und byzantinische Sitte hin, am Stadttor Abbildungen oder Statuen der Stifter anzubringen. Und das Kloster Studenica sollte wirklich eine Stadt sein.

Geschichte und Gegenwart
Ich habe schon ueber das Kloster Studenica als eine serbische "himmlische Stadt" im Sinne der Vorstellung der translatio Hierosolymi geschrieben. Dies spiegelt sich in der Form des Klosterkomplexes wider und natuerlich in der Tatsache, dass es als Mausoleum der Herrscherdynastie bestimmt wurde, die von Anfang an als heilige angesehen worden ist. Die Bedeutung von Studenica wurde noch groesser, als danach die Heiligengebeine des ersten serbischen Heiligen Simeon Nemanja aus Hilandar ueberfuehrt wurden. Damit erzeugte man eine Parallele zwischen Nemanja und dem biblischen Jakob, indem der Gruender der Nemanjiden-Dynastie gleichzeitig als der "Urvater" des serbischen "auserwaehlten Volkes" und Studenica als ein serbischer "Rettungsort" bezeichnet wurde.

Diese Vorstellungen, die fuer die mittelalterliche Staats- und Kirchenideologie entscheidend waren, wandelten sich im Laufe der Geschichte zu einer Idee von Studenica als ein Denkmal des einmaligen Reichtums und der Geistigkeit Serbiens. Studenica wurde auch zum Pilgerziel, weil sich dort die Heiligengebeine der nationalen Heiligen Simeon Nemanja, Stefan (Moench Simon) und Ana (Nonne Anastasija) befinden. Und mehr noch, das Kloster durchlebte in seiner stuermischen Vergangenheit das gleiche Schicksal wie das Volk, indem es viele Male litt und sich wieder erhob.

Heute ist das Kloster Studenica nicht nur ein Erinnerungsort, sondern auch ein lebendiger Brennpunkt der serbischen Geistigkeit und Kultur. Viele Pilger und Besucher kommen, um eine laengere oder kuerzere Zeit im Kloster zu verbringen, an dem Gottesdienst teilzunehmen, oder einfach den beruehmten Honig und Wein zu kaufen. Seit 1990 veranstaltet man in Studenica die sogenannte "Geistige Akademie", bei der sich viele vor allem junge Leute nicht nur aus Serbien und Montenegro, sondern auch aus dem Ausland, versammeln. Sie bilden hier einen grossen Chor, um unter Leitung von bekannten Dirigenten orthodoxe geistliche Musik zu lernen und ihre Leistung bei einem Schlusskonzert in der Aussenvorhalle von Koenig Radoslav aufzufuehren. Waehrend dieser zehntaegigen Akademie werden auch verschiedene Vorlesungen ueber christliche Musik, Kunst und die Kirchengeschichte abgehalten.

Artikel: Zarko Vujosevic, Belgrad

Fotografien: Milan Kosanovic, Bonn

Lektorat: Britta Lenz, Duesseldorf



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