Mileseva
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mileseva
An dem alten Hauptweg aus dem Inneren Serbiens zum Kuestenland befindet sich, etwa 6 km von der kleinen Stadt Prijepolje entfernt, eines der bedeutendsten, sowohl mittelalterlichen, als auch neuzeitlichen, serbischen Denkmaeler - das Kloster Mileseva. Es wurde am rechten Ufer des Fluesschens Milesevka errichtet und ist eine Stiftung des zweiten Sohnes von Stefan Nemanjic, des Prinzen Vladislav, der spaeter als Koenig zwischen 1234 und 1243 in Serbien herrschte. Die hochwertige Malerei, die lebhaften Beziehungen mit dem Westen und dem Osten begruendet durch die geografische Lage, sowie die Tatsache, dass die Kirche der Himmelfahrt Christi als Grabstaette fuer den meistverehrten serbischen Heiligen, den St. Sava, bestimmt wurde, brachten Mileseva durch die ganze Geschichte eine hohe Stellung unter den Kloestern Serbiens und Suedosteuropas ein.

Errichtung
Ueber den Zeitpunkt der Gruendung des Klosters gab es in der Vergangenheit verschiedene wissenschaftlichen Meinungen. Am haeufigsten wurde angenommen, dass Vladislav die Kirche als Mausoleum fuer sich und seinen Onkel Sava erst in der Mitte des vierten Jahrzehnts des 13. Jahrhunderts als Koenig errichten liess. Aber neuere Forschungen weisen darauf hin, dass das Gotteshaus schon zu jener Zeit erbaut wurde, als der junge Prinz Vladislav ein Gebiet um den Fluss Lim verwaltete und zwar in den Jahren 1218-19. Die Wandmalerei stammt aus den Jahren bis 1228. Zur Feststellung der genaueren Chronologie trugen unter anderem folgende Beweise und Schluesse bei: Es existiert ein altes Zeugnis der Moenche ueber die Errichtung ihres Klosters, das sich in einer heute in Russland aufbewahrten Schrift befindet; Die zwei koeniglichen Kronen von Vladislav, von denen man eine an der Stifterkomposition und die andere an der Familienkomposition der Nemanjiden sehen kann, sind spaeter in der Kirche zugemalt worden; Stefan Nemanjic (gestorben 1228) wurde als noch lebendiger Koenig abgebildet.

Um das Jahr 1236 wurde an der Ostseite der Kirche eine Aussenvorhalle angebaut, in der der erste serbische Erzbischof St. Sava bestattet wurde. Dieser Raum wurde danach mit den seiner Bestimmung angepassten Kompositionen bemalt - mit den Szenen des Juengsten Gerichts. Obwohl die Kirche der Himmelfahrt Christi am Anfang nicht zu den Bischofssitzen der Serbischen Kirche gehoerte, machten die Heiligengebeine von St. Sava sie zum wichtigsten kirchlichen Zentrum des mittelalterlichen Serbiens im Sinne der Gestaltung einer Art "allserbischen" Kults.

Im Wandel der Zeiten
Schon am Anfang der Geschichte des Klosters Mileseva geschah im Jahre 1237 ein Schluesselereignis fuer sein weiteres Schicksal: die Uebertragung der Heiligengebeine von St. Sava und ihre Aufstellung in der unmittelbar zuvor zugebauten Aussenvorhalle der Kirche der Himmelfahrt Christi. Bei seiner Heimkehr aus dem Heiligen Lande starb der erste serbische Erzbischof am 14.01.1236 (nach julianischem Kalender) in Tarnovo, der damaligen Hauptstadt Bulgariens. Auf Befehl des bulgarischen Kaisers Ivan Asen II., des Schwiegervaters des serbischen Koenigs, wurde St. Sava in der hoechstangesehenen dortigen Kirche - der Heiligen vierzig Maertyrer von Sebaste - bestattet. Der grossen geistigen und politischen Bedeutung bewusst, die der neue Heilige nicht nur fuer die Serbische, sondern auch fuer die ganze Orthodoxe Kirche hatte, wollte der bulgarische Hof seine Heiligengebeine behalten. Koenig Vladislav musste selbst nach Tarnovo kommen, um ihre Uebergabe zu verlangen. Erst nach langen Verhandlungen gelang es ihm, ein Jahr nach dem Tod Savas, das gewuenschte Heiligtum zu bekommen und es dann feierlich durch eine grosse staatliche und kirchliche Zeremonie nach Mileseva zu uebertragen. Damit staerkte Vladislav seine Position als serbischer Herrscher und hob die Ehre seiner Stiftung bedeutend.

Gleichzeitig wurde das Kloster Mileseva zu einem Schrifttumszentrum, in dem die noetigen kirchlichen Texte fuer das Schaffen des Kults von St. Sava entstanden. Dieser Kult verbreitete sich sehr schnell, indem er nicht nur Serbien, sondern im gewissem Masse auch die ganze slavische (auch roemisch-katholische) Welt erfasste. Als der serbische Staat der Nemanjiden nach 1371 zerfiel, versuchten die spaeteren serbischen und nichtserbischen Herrscher auf diesem Raum sich mit der Tradition der ruhmvollen Dynastie mithilfe Milesevas und des St. Sava zu verbinden. So liess sich im Jahre 1377 der bosnische Banus Tvrtko I., der Nachkomme der Nemanjiden in der weiblichen Linie, in der Aussenvorhalle von der sich auf seinem Herrschaftsgebiet befindlichen Kirche in Mileseva zum "Koenig Serbiens und Bosniens" kroenen. Seine Nachfolger bewahrten diesen Titel bis zum Ende des mittelalterlichen bosnischen Staates. Stefan Vukcic, der Mitte 15. Jahrhunderts dieses Territorium verwaltete, nannte sich "der Herzog von St. Sava" (davon die Benennung Hercegovina, serbisch: Herzogtum). Auch der serbische Herrscher Stefan Lazarevic (1389-1402 als Fuerst, 1402-27 als Despot) schenkte Mileseva grosse Aufmerksamkeit. Im Jahre 1405 stellte er dem Kloster eine Schenkungsurkunde aus, in der er seine Herrscherkontinuitaet mit den Nemanjiden betonte.

Auch nach der osmanischen Eroberung hat Mileseva seinen Ruhm und seinen Reichtum bewahrt. Dank seiner geografischen Lage und seiner grossen Ehre unterhielt es einerseits staendige Handelsbeziehungen zu Italien und besonders zum Stadtstaat Dubrovnik, andererseits geistige Beziehungen zu den orthodoxen Laendern Walachei, Moldawien und Russland. Verschiedenen Quellen weisen darauf hin, dass Mileseva mit seiner zahlreichen Bruderschaft (bis zu 200 Moenche) im 15. und 16. Jahrhundert das maechtigste serbische Kloster gewesen waere. Es spielte auch eine bedeutende Rolle als Zentrum der Gelehrsamkeit, da es eine grosse Bibliothek und Mitte des 16. Jahrhunderts sogar eine Buchdruckerei besass. Zu dieser Zeit wurde Mileseva zum Bischofssitz der Hercegovina. Dieses wichtige Bistum im hohen Rang der Metropolie, das sich auf einem heiklen Raum befand, auf dem die Einfluesse verschiedener Religionen zusammentrafen, hatte ganz besonderen Missionsaufgaben. Unter anderem sollte es auch den Durchdrang der "Luthors" (das heisst Lutheraner) sperren. Und als im Jahre 1557 die Serbische Kirche als Patriarchat erneuert wurde, hatte daran Mileseva einen grossen Anteil. Der serbischstaemmige osmanische Grosswesir Mehmed Sokolovic, der zu dieser Erneuerung viel beitrug, war ein Schueler von Mileseva, bevor er mit Gewalt nach Istanbul entfuehrt wurde (durch den sog. Blutzins). Und der erste Patriarch Makarije, sowie seine drei Nachfolger (alle aus der Sokolovic-Familie) die nach 1557 auf dem Thron in Pec (Pecchia) sassen, waren zuerst Bischoefe der Hercegovina. So kann man das Kloster Mileseva als einen Ausgangspunkt des serbischen geistigen "Erwachens" im 16. Jahrhundert bezeichnen.

Aber am Ende dieses Jahrhunderts erfuhr Mileseva zum ersten Mal die Ungnade der osmanischen Macht. Auf Befehl des Grosswesirs Sinan-pascha wurden im Jahre 1594 die Heiligengebeine von St. Sava aus dem Kloster nach Belgrad ueberfuehrt und auf dortigem Feld Vracar oeffentlich verbrannt. Bei dieser Gelegenheit wurde Mileseva auch gepluendert. Was konnte eine solche ploetzliche Untat hervorrufen? War dies der serbische Aufstand gegen die osmanische Herrschaft im Banat, der kurz zuvor unterdrueckt wurde? Oder wollte der Grosswesir Sinan, ein Albaner, der nach einer laengeren Uebermacht der serbischstaemmigen Wesire bei der Hohen Pforte zur Spitze kam, eine der wichtigsten Saeulen dieser serbischen "Partei" im Osmanischen Reich niederwerfen? Oder kuemmerte er sich um die Reinheit seines islamischen Glaubens, weil er hoerte, St. Sava waere auch von den Muselmanen verehrt worden? Oder geschah dieses Unglueck "wegen unserer Suenden", wie die Moenche aus Mileseva oft schrieben? Auf jeden Fall machte dieses Vorkommnis den Kult von St. Sava noch staerker, weil der Heilige nun im Bewusstsein der Kirche und des Volkes auch als "Maertyrer nach dem Tod" erschien. Mileseva bewahrte sein Ansehen als Zentrum dieses Kults, insbesondere weil man behauptete, dass einige Teile der Heiligengebeine auf irgendeine Weise gerettet worden waeren.

Das Kloster wurde im Jahre 1688, waehrend der sogenannten "Wiener Kriege", noch einmal von den Osmanen gepluendert und auch in Brand gesetzt. Damals wurde seine sehr reiche Schatzkammer fast voellig vernichtet. Im 18. Jahrhundert blieb Mileseva vorlaeufig sogar verwuestet. Die schwere Lage aller Christen im Osmanischen Reich hat zu dieser Zeit auch die Schicksalswende des ehemals beruehmtesten serbischen Klosters hervorgerufen. Erst nach der Befreiung Serbiens im 19. Jahrhundert, konnte man eine grosse Erneuerung durchfuehren. Nachdem der ganze Klosterkomplex mithilfe der Einwohner von Priepolje restauriert worden war, wurde die Kirche im Jahre 1868 feierlich wieder eingeweiht.

Architektur
Die Architektur der Kirche der Himmelfahrt Christi stellt eine besondere Schoepfung im Stil der Raska-Schule mit ihren bekannten Eigenschaften dar: Die byzantinischen raeumlichen Formen (vor allem aus theologischen Gruenden) und die romanische Aussenbearbeitung des Baus. Das Gotteshaus in Mileseva lehnt sich in dieser Hinsicht am meisten an die Hauptkirche des Klosters Zica an. Er ist ein einschiffiger Bau mit einem dreiteiligen Altarraum (Apside mit niedrigeren Seitenraeumen - Diakonikon und Prothesis) auf der oestlichen Seite, den Chorschraenken, die noerdlich und suedlich querschiffartig an das Schiff angegliedert sind und einer Kuppel auf quadratischem Unterbau (sogenannte Tambour carré). Die Besonderheiten spiegeln sich in der Abwesenheit des ueblichen Altarquerschiffes (Altartraveos) und in der Tambourkuppel, die enger als das Schiff ist, wider. Damit stellt die Kirche in Mileseva in Serbien etwas Einzigartiges dar.

Der Stifter stellte Erbauer aus dem nicht weit entfernten Kuestenland an. In ihrem Werk laesst sich eine wichtige Eigenschaft der westlichen Bauweise erkennen: Die Tendenz zur Vertikalisierung des Bauwerks, was die Kuppel der Kirche von Mileseva deutlich zeigt. Sie waren aber schwaecher als die Meister von Zica oder Studenica. Diese Tatsache kann man aus einigen unerklaerbaren Konstruktionselementen ersehen: Der raeumliche Plan der Kirche ist unpraezise mit einer Verengung in Richtung Westen; Es besteht kein Altarquerschiff, so dass die Verbindung zwischen der Apside und dem unter der Kuppel befindlichen Raum ganz willkuerlich ist; Der suedliche Chorschrank ist ohne besonderen Grund tiefer als der noerdliche. Wahrscheinlich hatte Vladislav als junger Prinz keine Moeglichkeiten sowie Geldmittel, so faehige und begabte Meister fuer die Erbauung seiner Stiftung zu bestellen, wie es sein Vater und Grossvater hatten.

Um das Jahr 1236 wurde an der Ostseite der Kirche eine ueberkuppelte Aussenvorhalle angebaut, wahrscheinlich bereits mit der Bestimmung als Grabstaette fuer St. Sava zu dienen. Die Aussenvorhalle hat zwei kleine ebenfalls ueberkuppelte Seitenkapellen, die den St. Georg und den St. Demetrius, den Beschuetzern Vladislavs im Krieg, gewidmet wurden. Vom ehemaligen apulischen Portal ist nur noch ein Steinloewe erhalten geblieben, der heute der einzige Ueberrest der Plastiken von Mileseva ist. Ohne das spaeter abgetragene Stockwerk ist die Aussenvorhalle heute eine verlaengerte Raeumlichkeit, die durch den westlichen Eingang mystisch beleuchtet wird. Zur Schaffung einer Bussatmosphaere, die fuer diesen Teil der orthodoxen Kirche charakteristisch ist, trugen auch die Szenen des Juengsten Gerichts an den Waenden bei. Die einst hier aufbewahrten Heiligengebeine von St. Sava verstaerkten das Ehrfurchtsgefehl bei den Glaeubigen zusaetzlich.

Bei der Erneuerung in den Jahren 1863-65 hat sich das Aussehen der Kirche im Vergleich zu der Darstellung an der im Naos befindlichen Stifterkomposition veraendert. Die Kuppel wurde neu gebaut, die zwei Portale wurden zerstoert und die Seitenkapellen an der Aussenvorhalle umgearbeitet. Auch die heutigen Moenchenschlafraeume stammen aus dem 19. Jahrhundert, waehrend der jetzt vor der Kirche stehende Glockenturm im Jahre 1914 gebaut wurde. Heutzutage ist eine neue Restauration des Klosterkomplexes im Gange, die im Jahre 2002 angefangen hat.

Malerei
Die Fresken in der Kirche der Himmelfahrt Christi zaehlen zu den besten und schoensten erhaltenen Werken der mittelalterlichen Kunst in Serbien. In Hinsicht auf die Modellierung und Farbgebung hat diese Malerei, die leider ziemlich beschaedigt ist, diejenigen aus Studenica und Zica uebertroffen. Sie wurde zwischen 1222 und 1228 von den griechischen Kuenstlern angefertigt, die wahrscheinlich aus dem zu dieser Zeit von der lateinischen Herrschaft befreiten Thessaloniki gekommen sind. Darauf weist vor allem ihre Imitation der kaiserlich-byzantinischen Mosaiktechnik hin, die eine wichtige Eigenschaft des sowohl aelteren als auch zeitgenoessischen Stils in den Kirchen von Thessaloniki war. Die Fresken in der Vorhalle und im Altarraum haben blauen Grund, waehrend die im Schiff auf goldenem Hintergrund gearbeitet worden sind. Die Aufschriften um den Heiligen in altserbischer Sprache haben die heimischen Meister angefertigt.

Auf Grund der fuer die Griechen unbekannten architektonischen Innenloesung der Kirche, wurde die gewoehnliche Darlegung der Szenen und Kompositionen in Mileseva gestoert. So sieht man hier die grossen Feiertage umgekehrt - von rechts nach links und von unten nach oben. Die Szenen, die nach der allgemeinen Einteilung in den Altarraum gehoeren (zum Beispiel Christus spendet den Aposteln die Kommunion), sind in den unter der Kuppel befindlichen Raum umgestellt worden, weil die Kirche, wie bereits erwaehnt, kein Altarquerschiff hat.

In den oberen Zonen erscheinen in einem besonderen Zyklus Szenen aus dem Leben Christi auf Erden. Darunter nehmen die Fresken, die die Leiden Christi und die Ereignisse am Sonntag der Auferstehung darstellen, den wichtigsten Platz ein. Sie fangen in der Vorhalle mit den Kompositionen Gebet im Garten von Gethsemane und Verrat des Judas an und werden im Schiff fortgesetzt, in dem sich ein paar beruehmte Abbildungen befinden. Dabei ist vor allem von dem sogenannten Weissen Engel die Rede, der am Grabe Christi sitzend, die drei Frauen auf das Gewand des Auferstandenen hinweist. Er ist der Teil der von der spaetantiken Kunst beeinflussten Komposition der Frauen am Grab, der an der suedlichen Wand aufgemalt worden ist. An der suedlichen Seite unterhalb der Kuppel befindet sich noch ein Meisterwerk: Die empfindungsvoll dargestellte Szene der Kreuzabnahme. Man sollte ausserdem noch die Komposition der Himmelfahrt der Muttergottes an der westlichen Wand hervorheben, ebenso wie die grossen Medaillons mit Brustbildern von Heiligen in den Boegen unter der Kuppel und die einzelnen Heiligenfiguren, von denen die Gestalten des St. Nikolaus und des St. Stephan des Erstmaertyrers in den unteren Zonen am schoensten sind.

Von besonderem Wert sind die Malereien der historischen Kompositionen im Schiff und in der Vorhalle mit den Abbildungen der Nemanjiden. In der Stifterkomposition unterhalb des Weissen Engels an der suedlichen Wand fuehrt die Muttergottes Vladislav, der das Kirchenmodell haelt, auf Christus zu. In der Vorhalle befinden sich realistische Portraets der Mitglieder der serbischen Herrscherdynastie. Hier wurden Stefan Nemanja als Moench und Sava als Erzbischof (oestliche Seite), sowie Stefan Nemanjic als Koenig und seine Soehne Radoslav und Vladislav, noch einmal mit dem Modell seiner Stiftung (noerdliche Seite), dargestellt. Ihnen gegenueber an der suedlichen Wand sieht man den zeitgenoessischen byzantinischen (nicaeischen) Kaiser Johannes III. Wataz (herrschte 1222-54) mit dem St. Konstantin dem Grossen und seiner Mutter St. Jelena. Mit dieser Darstellung hat man einerseits die geistige und politische Abhaengigkeit Serbiens vom Byzanz betont, andererseits auf die allgemeinen Bestimmung und die Vorbilder Serbiens in Ewigkeit (Nemanja und Sava gegen Konstantin und Jelena) sowie "hier und jetzt" (Stefan, Radoslav und Vladislav gegen Johannes III.) hingewiesen.

Die Fresken im Aussenvorhof wurden bald nach der Vollendung des Baus (um 1236) von einheimischen Malern ausgefuehrt. Den groessten Teil der bis heute erhaltenen Malerei nimmt die monumentale Darstellung des Juengsten Gerichts ein. Die Meister, die weniger begabt als ihre griechischen Vorlaeufer waren, haben den Stil und sogar die Mosaiktechnik von Schiff und Vorhalle nachgeahmt. An der Ostwand befindet sich die Komposition der Deisis (Christus als Richter), links davon auf dem roten Grund wurden Suender (suedlicher Wand) und rechts Gerechte (noerdlicher Wand) gemalt.

Die Malerei von Mileseva wurde zweimal wesentlich erneuert und zwar Mitte des 16. Jahrhunderts, als einige neue Kompositionen zugefuegt wurden und Mitte des 19. Jahrhunderts, als die beschaedigten aelteren Fresken kopiert worden sind. Von den Uebermalungen aus dem 16. Jahrhundert, die vielleicht der beruehmte serbische Kuenstler Moench Longin angefertigt hat, sollte man als beste die Darstellung des letzten Abendmahls an der suedlichen Wand des Schiffes erwaehnen. Bei den neuesten Restaurationsarbeiten wurde noch ein frueher unbekanntes Fresko aus der ersten Schicht entdeckt - der Weisse Engel legt Satan an die Kette.

Geschichte und Gegenwart
Die hervorragende Stellung in der serbischen Geschichte haben dem Kloster Mileseva vor allem die hier lange aufbewahrten Heiligengebeine von dem ersten serbischen Erzbischof und "Volksaufklaerer" St. Sava gegeben. Waehrend diese Tatsache im Mittelalter eine fast ausschliesslich kirchliche und etwas weniger eine staatliche Bedeutung hatte, erhielt sie spaeter zur Zeit der osmanischen Herrschaft einen nationalen Sinn. Es ist nicht zufaellig, dass gerade Mileseva im 16. Jahrhundert zu einem Zentrum des serbischen "Erwachens" wurde, ein Prozess, bei dem die Kirche, beziehungsweise das 1557 erneuerte Patriarchat in Pec (Pecchia), eine entscheidende Rolle spielte.

Auch nachdem Sinan-Pascha im Jahre 1594 die Heiligengebeine in Belgrad verbrannt hatte, hat Mileseva sein hohen Ansehen behuetet, besonders da ein Teil von ihnen im Kloster anscheinend erhalten blieb, womit die ungeklaerte Geschichte dieser hochverehrten Reliquie begann. Es existieren davon viele Versionen. Die bekannteste und wahrscheinlichste von ihnen betrifft eine Hand, die ins Kloster der Heiligen Dreieinigkeit bei Pljevlja (heute Montenegro) etwa 40 km westlich von Mileseva gelangt sein soll. Es ist aber noch wissenschaftlich festzustellen, ob diese Hand tatsaechlich zu den Gebeinen von St. Sava gehoert.

Das Kloster Mileseva spielte in der Geschichte eine Rolle als "Stuetzpunkt" des Serbentums und der Orthodoxie auch auf Grund seiner besonderen geopolitischen Lage. Aber diese Geschichte ist noch nicht zu ihrem Ende gekommen. In einem Gebiet, in dem man noch immer mehr ueber die Vergangenheit als ueber die Zukunft denkt, versucht man noch heute, in Anwesenheit von anderen alten und neuen Nationen und Relligionen, die eigene Identitaet zu schuetzen. Selbstverstaendlich ist diese Aufgabe sehr schwer und verzwickt. Vielleicht wurde gerade deswegen vor 10 bis 15 Jahren ein neues Bistum mit dem Sitz im heute weiblichen Kloster Mileseva gegruendet und vielleicht hat sich auch deswegen der hiesige Bischof Filaret als dem vor kurzem umgestuerzten Regime nahestehend erwiesen. Diese Tatsache hat sogar eine Durchsuchung des Klosters durch die Polizei waehrend des Standrechts im Maerz 2003 hervorgerufen. Zum Glueck ohne "unangenehme" Ergebnisse.

Artikel: Zarko Vujosevic, Belgrad

Fotografien: Milan Kosanovic, Bonn

Lektorat: Britta Lenz, Duesseldorf




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