Ljubostinja
 
 

 

 

 

 

Ljubostinja
Das Kloster Ljubostinja liegt im Westmoravatal, etwa 5 km noerdlich von der kleinen Stadt Trstenik entfernt, auf dem linken Ufer des Fluesschens, das nach dem Kloster "Ljubostinjska" genannt wurde. Es ist eine Stiftung der Fuerstin Milica, der Gemahlin des Fuersten Lazar Hrebeljanovic (um 1371-1389), der nach dem Tode des letzten Nemanjidenherrschers, des Kaisers Uros, in Serbien regierte. Ljubostinja entstand in einer unstabilen Zeit, unmittelbar vor der Schlacht auf dem Kosovo polje (Amselfeld) 1389, die eine lange Epoche der Osmanischen Vorherrschaft im serbischen Raum einleitete. Jedoch ist das Kloster ein Beispiel fuer die Bluetezeit der Morava-Schule in der serbischen sakralen Architektur. So ist die der Himmelfahrt der Muttergottes geweihte Kirche in Ljubostinja eine der schoensten Vertreterinnen der "reifen" Phase des Morava-Stils.

Errichtung
Wie die Legende besagt, sollen sich Milica und Lazar hier zum ersten Mal begegnet sein und einander lieb gewonnen haben, bevor sie um 1353 heirateten. Das soll sich bei einer Versammlung am St. Stephanstag ereignet haben, dessen Kapelle sich angeblich an dem Ort, an dem das heutige Gotteshaus liegt, befand. Zum Andenken an diese Begegnung errichtete spaeter Fuerstin Milica das Kloster Ljubostinja, dessen Name, so weiter die Legende, ein Kompositum aus den Worten "ljubav" (Liebe) und "stena" (Fels) sei.

Fuer die Erzaehler der Legende war der genaue Zeitpunkt der Errichtung des Klosters , im Gegensatz zu den Forschern und Kunsthistorikern, ueberhaupt nicht wichtig. Jedoch bestehen darueber keine Angaben in den Quellen, die uns ueberliefert worden sind. Deshalb mussten sich die Forscher nach den ermittelbaren Hinweisen aus den Bau- und Malereielementen richten. Obwohl die Meinungen darueber frueher auseinandergingen, wird heute allgemein angenommen, dass die Kirche im neunten Jahrzehnt des XIV. Jahrhunderts gebaut worden ist. Die Arbeit an der Freskoenmalerei wurde aber 1389 unterbrochen, wahrscheinlich in Bezug auf den osmanischen Angriff auf Serbien. Erst zu Beginn des XV. Jahrhunderts konnten die Arbeiten fortgesetzt und die Kirchenwaende vollstaendig bemalt werden.

Im Wandel der Zeiten
Nach der Schlacht auf dem Kosovo polje, in der ihr Gemahl den Tod fand, uebernahm Fuerstin Milica die Verwaltung in Serbien im Namen ihres jungen Sohnes Stefan. Sie machte sich um die Regelung der Verhaeltnisse im Lande verdient, musste aber die oberste Hoheit des osmanischen Sultans anerkennen. Als Stefan um 1392 die Volljaehrigkeit erreichte (im Mittelalter im Alter von 15 Jahren), zog sich Milica in ihre Stiftung zurueck. Dort trat sie dem Orden bei und verbrachte ihre letzten Jahre im Kloster als Nonne Jevgenija. Nach ihrem Tode und ihrer Beisetzung in der Vorhalle der Kirche in Ljubostinja im Jahre 1405 wurde sie zur Heiligen erklaert. Ihr Gedaechtnistag, und der ihres Sohnes Stefan,in der Serbischen Kirche ist der 1. August (19. Juli nach julianischem Kalender), an dem ihrer zusammen mit ihrem Sohn Stefan gedacht wird.

Von der fruehen Geschichte des Klosters Ljubostinja ist nur weniges bekannt. Es wurde zu einem Glaubens- und Kulturzentrum, wo kirchliche und andere Buecher abgeschrieben wurden. Die viel spaeteren serbischen Chroniken bezeugen, dass Milica hier "zahlreiche Nonnen, vor allem die Edelfrauen, deren Maenner auf dem Kosovo polje gefallen waren", um sich versammelte. UEber diese "Edelfrauen" wissen wir nichts, aber hier kam bestimmt Jelena (Nonne Jefimija), die Witwe des Despoten Ugljesa, der schon 1371 in der Schlacht am Fluss Marica (ebenfalls gegen die Osmanen) gefallen war. Sie wurde durch ihr besticktes Leichentuch, das sie in Ljubostinja 1402 fuer den Sarg des Fuersten Lazar angefertigt hatte, beruehmt. Der gestickte Text, als "Lobgedicht fuer den Fuersten Lazar" bekannt und jetzt im Museum der Serbisch-Orthodoxen Kirche zu Belgrad aufbewahrt, stellt ein grosses Kunstwerk, sowie ein beredtes Zeugnis von seiner Zeit dar. In ihm fassen sich die persoenliche und die allgemeinserbische Tragoedie nach der Kosovoschlacht zusammen. Jefimijas Deutung des Themas von Kosovo, dem auch ein universaler Sinn gegeben wurde, reihte ihr Werk zu den schoensten der serbischen mittelalterlichen Literatur ein. Ljubostinja war im UEbrigen der erste Ort, an dem der Kult des als Maertyrer verehrten Fuersten Lazar aus Ravanica gelangte, dort wird der Kult auch bis heute noch rege gepflegt.

Im Jahre 1459 wurden die Reste von Serbien endgueltig an das Osmanische Reich angegliedert. Das Kloster Ljubostinja und seine Besitztuemer wurden bald darauf Bestandteil eines grossen osmanischen Feudalgutes (Zeamet). Das Kloster geriet so in eine schwierige Lage, da die sich schon zahlenmaessig verringerte Bruderschaft verpflichtet wurde, hohe Abgaben an den Grundherrn (Spahija) zu entrichten. Trotzdem wurde 1661/62 eine Restauration der Kirche durchgefuehrt, wobei die Fassaden uebermoertelt und noch einmal gefaerbt wurden, waehrend die Kuppel etwas erhoeht wurde. Neben der Rosette oberhalb der Apside findet man noch heute eine Aufschrift ueber diese Erneuerung.

Ende des XVII. Jahrhunderts veroedete Ljubostinja, wahrscheinlich infolge des Krieges zwischen dem Osmanischen Reich und der Habsburger Monarchie ("Wiener Krieg", 1683-99), obwohl es keine Angaben ueber die zu vermutenden Zerstoerungen des Klosters gibt. Im XVIII. Jahrhundert aber lebte Ljubostinja wieder auf, da dort waehrend der habsburgischen Verwaltung in Nordserbien zwischen 1718 und 1739 eine neue Bruderschaft gegruendet wurde. Als die zwei grossen Maechte wieder auf dem serbischen Gebiet Krieg fuehrten, nahmen die Moenche aktiv an den Kaempfen teil, indem sie die serbischen Scharen unter habsburgischer Leitung mit Nahrung und anderem Kriegsbedarf unterstuetzten. Sogar der Abt von Ljubostinja selbst hatte den Befehl ueber eine kleine Truppe. Als die Osmanen die Situation beherrschten, steckten sie das Kloster 1788 in Brand, und die Moenche flohen in alle Richtungen.

Die zweite Erneuerung des Klosters ereignete sich im Jahre 1799, als noch einmal die Fassaden, sowie das Dach restauriert wurden. Damals entstanden auch die Fresken in den niedrigen Zonen des Kirchenraumes, die aber in ihrer kuenstlerischen und technischen Qualitaet sehr schwach sind. An der noerdlichen Wand der Vorhalle hat sich eine Aufschrift erhalten, die den damaligen Abt Arsenije als den "zweiten Stifter" benennt. Im Laufe des XIX. Jahrhunderts wurde Ljubostinja noch zweimal restauriert. Zuerst nach den zwei serbischen Aufstaenden gegen die Osmanen (1804-13; 1815), als die heute zu sehende Altartrennwand mit den Ikonen entstand (1822), und spaeter im Jahre 1851. Am Anfang des XX. Jahrhunderts hat die serbische Regierung umfangreiche Reparationsarbeiten an der Kirche organisiert. Diese wurden aber unfachmaennisch durchgefuehrt, indem die Fassaden, sowie die oberen Teile des Gebaeudes umfangreich geaendert wurden. Bei den gegenwaertigen Konservationsarbeiten sind diese AEnderungen entfernt worden, womit der Kirche ihr urspruengliches Aussehen zurueckgegeben wurde. Jedoch ohne den einstmaligen reichen Fassadenschmuck, der leider unwiederruflich verloren ist.

Architektur
Der franzoesische Byzantologe Gabriel Millet stellte fest, dass die Kirche Muttergottes in Ljubostinja den Morava-Stil zur Vollendung gefuehrt habe. Fuer ihn ist diese Kirche ein "Kleinod" der Morava-Schule. Es besteht natuerlich keine "Rangliste" dieser sakralen Denkmaelern, aber auf jeden Fall stellt die Kirche von Ljubostinja eines der besten und schoensten Beispiele der Architektur des Morava-Stils dar.

Sie hat einen Kreuzgrundriss mit den typischen drei Konchen (Apsiden in Form eines Kleeblattes) und eine hohe, auf vier freien Pfeilern ruhende Kuppel. Ein Kranzgesims mit Zahnschnittfries trennt die vielgliedrige Dachzone von den Fassaden, die reich mit dekorativer Steinplastik verziert sind. Mehrere Rosetten, Schachbrettmuster, Blendarkaden, kleine Saeulen und Zwillingsfenster mit Kleeblattboegen machen das fuer die Morava-Schule charakteristische Zierwerk des AEusseren der Kirche aus. Jedoch unterscheidet sich die Kirche von Ljubostinja in bestimmten Merkmalen von jener in Ravanica. Sie hat nur eine Kuppel und nur ein Gesimsband an der Fassade, waehrend die Vorhalle, die unmittelbar nach dem Schiff gebaut wurde, wahrscheinlich auf Grund ihres besonderen liturgischen Zweckes, sehr geraeumig ist. Dort wurden auch zwei Sarkophage aufgestellt, die fuer Fuerstin Milica (an der noerdlichen Wand) und fuer Stefan, den Sohn des Despoten Ugljesa (an der suedlichen Wand), gemeisselt worden sind. Und schliesslich hat die Vorhalle eine grosse Blendkalotte, die sich in der Mitte des Gewoelbes befindet.

Was das Baumaterial betrifft, wurde die Kirche von Ljubostinja einfacher und bescheidener als die anderen Morava-Kirchen, vor allem als die Himmelfahrtskirche in Ravanica, gebaut. Man konnte nur Bruchstein von verschiedener Groesse und Herkunft (vielleicht handelte es sich sogar um "sekundaeren Gebrauch") verwenden, der dann mit Moertel bedeckt wurde. Aber da fuer das Gotteshaus nicht kunstfertig gehauer Stein verbaut wurde, hat man die Fassaden, um ihre Grobheit zu verbergen, mit reichen rot gefaerbten Fresko-Ornamenten verziert. Dieses in Ljubostinja vorhandene Zierwerk stellte die reifste Form des dekorativen Systems der Morava-Schule dar. So wurde mit Hilfe der Farbstoffe in den unteren Zonen des Gebaeudes die kostbare Bauweise aus abwechselnd (?) Stein und Zielgel nachgeahmt. Die ueberwiegend geometrische, seltener florale Ornamentik, in der keine Darstellungen von Menschen und Tieren zu finden sind - ein hoechstes Beispiel der sogenannten "unikonischen Kunst" - verlor aber im Laufe der Zeit ihre Farbe.

Auch im Bereich der Skulpturen ist die Kirche von Ljubostinja die groesste Leistung der Morava-Schule. Es handelt sich hier um die Basrelief-Ornamentik an Fenstern, Blendarkaden und Portalen, die einst, gleich wie die Mauern, farbig hervorgehoben waren. Dabei sind durchgeflochtene Baender und besonders weisse Lilien, Symbole der Jungfraeulichkeit und der Keuschheit, welche auch der Muttergottes oft zugeschrieben wurden, ueberwiegende Motive. Filigrane Rosetten, deren schoensten sich an der Vorhalle befinden, sind wahrscheinlich unter gewi ssen Einfluessen der Gotik ausgearbeitet worden. Noch mehr sind die zugespitzten Fenster ein Zeugnis der gotischen Vorbilder: sie sind denjenigen der zeitgenoessischen Palaeste in Venedig und Dubrovnik ebenbuertig. Von den einst vier gemeisselten Portalen, hat sich der Schmuck nur teilweise am Eingang zur Vorhalleund zum Schiff erhalten.

An der Schwelle des Innenportals hat der Baumeister der Kirche von Ljubostinja seinen Namen eingemeisselt und sich dort als "protomajstor (Hauptmeister) Rade Boroviç" bezeichnet. Diese Vorgehensweise war ein seltenes Beispiel fuer die Autorenbestimmung in dermittelalterlichen Kunst. In der christlichen Deutung ist nur Gott der rechte Schoepfer, weshalb jedwede irdische Autorschaft nur abgeleitet denkbar gewesen waere. Eine solche Auffassung war die wichtigste Ursache fuer die Anonymitaet vieler Autoren mittelalterlicher Kunstwerke und Literatur. UEber die Herkunft und die Ausbildung von Rade Boroviç gibt es leider keine weiteren UEberlieferungen. In der serbischen muendlich tradierten Volksliteratur wurde er als der Baumeister von Ravanica "besungen", was aber mit Sicherheit nicht der Fall war. Was Ljubostinja betrifft, sind wahrscheinlich nicht nur der Kirchenbau, sondern auch der gemeisselte Schmuck sein Werk.

Malerei
Die Malerei der Muttergotteskirche in Ljubostinja, die leider zum groessten Teil zerstoert wurde, ist nicht einheitlich. Sie besteht aus zwei Schichten, deren erste hoechstwahrscheinlich im Jahre 1389 unmittelbar vor der Schlacht auf dem Kosovo polje und die zweite zwischen 1402 und 1405 entstanden ist. Auf jeden Fall handelte es sich um einen Zeitraum, in dem es in Serbien keine begabten Maler gab. So kamen beide Gruppen von Kuenstlern aus dem Sueden und zwar aus Westmazedonien, wo sich im damaligen Staat des Koenigs Marko (aus der muendlichen Volksliteratur als "Marko Kraljeviç / "Prinz Marko" bekannt) eine glaenzende, von Konstantinopel und Thessaloniki be einflusste malerische Taetigkeit entwickelte. Der Leiter der ersten Gruppe blieb dem Namen nach unbekannt, waehrend der Schoepfer der juengeren Schicht, wie der Baumeister, mit einer Signatur in der Kirche vertreten ist. Er hat sich dort auf griechisch als "suendiger Makarije zograf (Maler)" ueber dem Bogenfeld des Innenportals verewigt.

Die aeltere Malerei hat sich nur im Kuppelraum und teilweise an den Pendentifs erhalten. Sie wurde sogar bei der zweiten Bemalung von Makarije mit neuen Fresken bedeckt. Erst im XIX. Jahrhundert, als dieFresken bei Erneuerungsarbeiten vernichtet wurden, erschien die aeltere Schicht wieder. Vor ungefaehr zwanzig Jahren wurde sie endlich gereinigt, so dass man jetzt im Tambour die beschaedigten Abbildungen von Propheten und an den Pendentifs zwei von den vier urspruenglichen Evangelistenportraets sehen kann. Die Fresken der Propheten mit reizvoller Farbgebung und ueberaus lebhaften Bewegungen erregen besondere Aufmerksamkeit. Die alttestamentarischen Seher sind als aeusserst aufgeregte und erschrockene Zeugen der Inkarnation Christi dargestellt, die die Texte ihrer Buecher, die sie in ihren Haenden tragen, im Voraus beschreiben. Diese ungewoehnliche malerische Ausfuehrung weist auf den moeglichen Einfluss der zeitgenoessischen westlichen Kunst hin, waehrend die vollstaendigen Texte auf den Tragkraenzen der Propheten ein Zeugnis der guten theologischen Ausbildung des Schoepfers sind.

Etwa fuenfzehn Jahre spaeter hat Fuerstin Milica den genannten Kuenstler Makarije mit der weiteren Ausschmueckung ihrer Stiftung betraut. Makarijes Heimat war auch der Staat des Koenigs Marko und zwar die Umgebung seiner Hauptstadt Prilep. Sein aelterer Bruder Jovan, wahrscheinlich der Metropolit von Skopje, war schon ein beruehmter Maler, dessen Kunstwerke bereits weitgehend erforscht sind. Viel mehr ist von den Leistungen Makarijes nicht bekannt, so dass die Malerei von Ljubostinja als seine wichtigste Schoepfung betrachtet wird. Er hat, aehnlich wie sein Bruder, im Stil des damaligen "byzantinischen Klassizismus" gearbeitet, jedoch sind in seinem Werk auch einige aeltere Vorbilder erkennbar. Da er vermutlich vor allem als ein Ikonograph ausgebildet war, war er bei der Gestaltung von Gesichtern und Leibern geschickter, als bei der Darstellung von grossen Kompositionen.

Was das Programm und die Themenwahl betrifft, entstand die Malerei von Ljubostinja, wie uebrigens in allen anderen Morava-Kirchen, vor allem unter dem Einfluss von Ravanica. So wurden in den oberen Zonen des Schiffes die Szenen der Wunder, Gleichnisse und Leiden Christi besonders hervorgehoben. In den Seitenkonchen befanden sich wahrscheinlich die Abbildungen der heiligen Krieger, die aber voellig zerstoert worden sind. Von den stehenden Figuren der Heiligen in der unteren Zone ist auch nichts erhalten. Von den wie in Ravanica an den Pfeilern abgebildeten Medaillons mit Brustbildern von Heiligen sieht man jetzt nur noch die Figuren am westlichen Pfeilerpaar - unter ihnen auch die Gestalten von St. Simeon Nemanja und St. Sava.

Von den wichtigsten Zyklen im Schiff ist heute nur noch weniges sichtbar. Die vier besterhaltensten Szenen befinden sich in den Konchen, oberhalb der Seitentueren und stellen die Wunder und Gleichnisse Christi dar: die Heilung des Gelaehmten und das Gespraech mit der Samariterin (suedliche Konche), die Salbung in Betanien und die Heilung des Blindgeborenen (noerdliche Konche). Die Szene der Heilung des Gelaehmten (Joh. 5, 1-16) wird seiner Qualitaet und technischen Bearbeitung nach als Beste in Ljubostinja betrachtet. Das Wunder Christi im Bad von Betesda wurde detailreich, mit allen Einzelheiten der evangelischen Erzaehlung dargestellt. Besonders interessant ist dabei die Gestalt des antiken Philosophen Socrates, die sich im Hintergrund, auf einem Bogenfeld des abgebildeten Gebaeudes befindet. In der mittelalterlichen Theologie zog man gern eine Parallele zwischen Christus und den antiken Weisen. Und besonders oft wurde Socrates als ein Lehrer von Liebe und Wahrheit und sogar als jemand, der den Tod eines Maertyrers erlitt, in diesem Sinne erwaehnt.

In der Vorhalle befinden sich Fresken, die ebenfalls von Makarije angefertigt wurden.Darunter an der Westwand die sehr wichtige Darstellung der serbischen Herrscherfamilie, welche zum Glueck gut erhalten ist. Die stehenden Figuren des Fuersten Lazars und der Fuerstin Milica sind noerdlich und jene ihrer Soehne Stefan und Vuk suedlich von der Tuer abgebildet. Diese Komposition entstand an einem historischen Wendepunkt, als sich der serbische Fuerst Stefan eine Krise im Osmanischen Reich nach der Niederlage in der Schlacht bei Angora (Ankara) 1402 gegen die Mongolen zunutze machte, indem er sich aus der osmanischen Vasallenschaft herauszog und vom byzantinischen Kaiser den Despotentitel bekam. Nachdem er seine Macht im Lande gefestigthatte, widersetzte er sich erfolgreich seinem juengeren Bruder Vuk , der einen Anteil an der Herrschaft verlangte. Dementsprechend musste der Maler diese neue alleinherrschende Position des Despoten Stefan betonen. So wurden alle Familienmitglieder ausser Vuk im vollen Ornat und mit der Aufschriften ihrer Titel dargestellt. Stefan selbst wird von Engeln gekroent und mit Waffen ausgeruestet, was eine Bestaetigung seiner von Gott erhaltenen Herrschaft im Geiste der traditionellen byzantinischer Ikonographie war. Oberhalb dieser Komposition befindet sich die Darstellung des Fuenften oekumenischen Konzils (im Jahre 553 abgehalten), mit dem byzantinischen Kaiser Justinian im Zentrum der Szene.

Geschichte und Gegenwart
Die Stifterin von Ljubostinja, Fuerstin Milica, wird in serbischen Volksliedern einerseits als weise "Kaiserin"und andererseits als Beispiel einer treuen, liebevollen und opferbereiten Frau dargestellt. Die maerchenhafte Geschichte ueber ihre Begegnung mit ihrem kuenftigen Gemahlund die Errichtung des Klosters an demselben Ort traegt dazu bei, dass man in Ljubostinja nicht nur der stuermischen und durch ununterbrocheneKaempfe ruhmvoll gewordenen serbischenVergangenheit gedenkt, sondern auch ihrer romantischen und ritterlichen Seite. Vielmehr stellt dieses Kloster ein Denkmal der fortgesetzten Schaffensfreudigkeit in Serbien dar, obwohl die "Bluetezeit" des Staates schon vorueber war. Nicht zuletzt durch das „Lobgedicht fuer den Fuersten Lazar“ von Jefimija wurde hier auch das kollektive Bewusstsein der schicksalhaften Kosovoschlacht , als eine ehrliche Niederlage, die den Serben "die Reiche der Himmel" gesichert habe, gepraegt.

Das Kloster Ljubostinja mit seiner Nonnengemeinschaft gehoert heute dem Bistum von Zica an. Vor kurzem wurde die Klosteranlage fast voellig erneuert und die Kirche, die wie ueblich in der Mitte steht, wirkt in einer solchen Umgebung voellig irreal. Wenn Ljubostinja auch nicht das schoenste Denkmal der Morava-Schule ist, so ist es bestimmt das "romantischste".


Artikel:
Zarko Vujosevic, Belgrad

Fotografien: Milan Kosanovic, Bonn

Lektorat: Marina Hrkac, Bonn



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